Paritätischer: Jugendliche Straftäter widerlegen Populisten in der Politik
Auf einer Fachtagung des Paritätischen Jugendwerks am 25.01.2008 in Hannover wurden die Erfolge des Modellprojektes „peer work als chance – ein virtuelles Informations- und Beratungsportal von und für junge straffällige Menschen“ vorgestellt. Das Projekt wurde über zweieinhalb Jahre modellhaft vom Paritätischen Jugendwerk in Kooperation mit drei Mitgliedsorganisationen durchgeführt und wird zukünftig auf kommunaler Ebene verankert. Neben Beiträgen von Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis präsentierten die Jugendlichen eindrucksvoll ihre im Projekt erworbenen Kompetenzen. Über die von den Jugendlichen selbst erstellte Homepage www.street-live.org beraten Jugendlichen mit Risikobiographien andere straffällig gewordene oder gefährdete Jugendliche.
Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen e.V., zeigte sich von den Projektergebnissen der Jugendlichen tief beeindruckt. Insbesondere das hohe Engagement der Jugendlichen in ihrer Freizeit und die Tatsache, dass die Jugendlichen selbst eine Weiterförderung über EU-Mittel erreicht hätten zeige, dass in diesen Jugendlichen weit mehr Potential stecke, als in populistischen Debatten um Jugend kriminalität oder eine sog. „neue Unterschicht“ transportiert würde.
„Die aktuelle Debatte zur Jugendkriminalität zeugt davon, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, wenn wir eine Gesellschaft gestalten wollen, in der sich auch die jungen Menschen zu Hause fühlen, die Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung haben.“ Rundt weiter: „Man soll nicht so tun, als ob Jugendliche ihre Problemlagen immer selbst verschuldet hätten. Durch das Projekt hat unser Jugendverband gemeinsam mit den 60 beteiligten Jugendlichen bewiesen, dass sog. „Problemjugendliche“ eine Menge auf die Beine stellen können, wenn Sie die notwendige Unterstützung und gute non-formale Bildungsgelegenheiten erhalten.
Mit den Projektergebnissen hätte sich noch einmal deutlich gezeigt, dass die vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch angestoßene unsägliche Debatte um Gewalt und Kriminalität von ausländischen Jugendlichen in erster Linie eine Frage des Versagens in der Integration sei. Für gute Projekte der Jugendarbeit mit sog. „benachteiligten Jugendlichen“ müssten zukünftig deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Auch müssten die Integrationsmöglichkeiten in Ausbildung und Beruf entscheidend verbessert werden.
Prof. Dr. Kolhoff von der Fachhochschule Braunschweig, wissenschaftlicher Begleiter des Modellprojektes, sowie die Vorsitzende des Landtagssozialausschusses, Gesine Meißner, FDP, haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. Rundt hofft nun, dass die Debatte um jugendliche Straftäter nach der Wahl in Hessen zukünftig wieder über Fakten und Sachfragen verhandelt wird. Dies sei offensichtlich auch der Wunsch der hessischen Wähler gewesen.



